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Neue Radon-Vorsorgebiete – Zeit zu handeln

Neue Radon-Vorsorgebiete – Zeit zu handeln

Wir haben dem Thema bereits eine 3-teiligen Blog Beitragsserie gewidmet und möchten diese nun ergänzen. In diesem Jahr wird Radon wieder etwas Aufmerksamkeit zuteil da es durch die Festlegung von Vorsorgegebieten auch neue Regelungen für den Umgang mit Radon am Arbeitsplatz gibt.

Bevor wir starten, hier noch einmal ein kleiner Rückblick:

Was ist Radon?

Es handelt es sich um ein geruchsloses, geschmackloses, farbloses Edelgas mit hoher Dichte. Es ist ein radioaktives Zerfallsprodukt aus Radium, Thorium und Uran. Wegen seiner Beschaffenheit kann Radon durch gasdurchlässige Böden in die Atmosphäre abgegeben werden. Ist die Erdoberfläche bebaut, gelangt Radon auch ins Innere von Kellern und ins Souterrain. Zudem ist es wasser- und fettlöslich und zerfällt zu radioaktiven Isotopen. Diese Zerfallsprodukte von Radon sind allerdings keine Gase mehr, sondern Schwermetalle wie z. B. Blei, Polonium und Bismut. Sie enthalten Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Vor allem die Alphastrahlung kann für den Menschen gefährlich werden, da sie die Zellen des Körpers schädigt. Die Isotope des Radongases schweben frei und verbinden sich mit Wassermolekülen, sodass eine Ablagerung an Oberflächen oder Staubpartikeln möglich ist. Der Mensch kann diese Partikel durch die Atmung in den Körper aufnehmen.

Kurz gesagt, ist Radon gefährlich und darf in Vorsorgegebieten nicht vernachlässigt werden. Bereits seit vielen Jahren werden Langzeitmessungen durchgeführt und so die Auswirkungen von Radon auf den menschlichen Körper beobachtet.

Wenn man langfristig einer erhöhten Radon-Konzentration ausgesetzt ist, so steigt auch das Krebsrisiko. Man geht davon aus, dass pro 100 Bq/m³ das Lungenkrebsrisiko um bis zu 16 % steigt. Radon ist zudem die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs, direkt nach dem Rauchen. Allein in Deutschland sind etwa 5 % aller Lungenkrebserkrankungen auf Radon zurückzuführen. Man kann davon ausgehen, dass es pro Jahr zu 1900 Todesfällen durch Radon kommt. Vor allem Raucher haben bei dauerhaftem Kontakt mit Radon ein 25 % höheres Krebsrisiko als Nichtraucher.

Was ist ein Radon Vorsorgegebiet?

Ein Radon Vorsorgegebiet weist durch Langzeitmessungen ein erhöhtes Radon-Volumen in der Bodenluft sowie im Innenraum auf. Dabei werden geologische Daten zur Bodenbeschaffenheit und dem Vorkommen von Thoriumhaltigen Mineralien ausgewertet aber auch Messungen durchgeführt.

In Radon-Vorsorgegebieten sind erhöhte Radon-Werte in Gebäuden wahrscheinlicher als in anderen Regionen. Hier ist der Handlungsbedarf am größten, und Radon-Messungen sind Pflicht. Erhöhte Radon-Werte sind aber auch außerhalb von Radon-Vorsorgegebieten möglich. Auch hier sollten Betriebe Verantwortung übernehmen und freiwillig Radon messen.

- BfS-Präsidentin Inge Paulini

In der näheren Umgebung zu den Vorsorgegebieten sollten Bewohner und Arbeitgeber freiwillige Radon Messungen im Gebäude durchführen lassen. Die Nähe zum Radon Vorsorgegebiet legt nahe, das vereinzelt noch erhöhte Werte im Gebäude auftreten können.

Wie wird die Radon-Konzentration ermittelt?

Die Festlegung beruht auf wissenschaftlichen Grundlagen und erfolgt vor allem durch zwei Methoden:

  • Radon-Vorkommen in der Bodenluft und die Gasdurchlässigkeit des Bodens
  • Messwerte aus Innenräumen (sehr große Anzahl von Messungen notwendig)

Wann wird ein Gebiet als Vorsorgegebiet klassifiziert?

Konkret wird ein Gebiet dann als Vorsorgegebiet ausgewiesen, wenn in mindestens 75 % des Messgebietes der Referenzwert von 300 Bq/m³, in mindestens 10 % der Gebäude überschritten wird.

Radon Vorsorge Gebiete der Bundesländer

Die Festlegung der Radon Vorsorgegebiete erfolgt durch die Bundesländer anhand des Strahlenschutzgesetzes (StrlSchG) § 121 Absatz 1. Dafür mussten in der Zeit bis zum 31.12.2020 Flächendeckende Radon Messungen durchgeführt werden. Diese Messungen werden ab sofort im 10-Jahres-Rhythmus wiederholt um die Gefahr von Radon auch langfristig im deutschen Bundesgebiet einschätzen zu können.

Karte der Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland

Welche Gebiete als Vorsorgegebiet ausgewiesen wurden, kann auf dieser Seite des "Bundesamt für Strahlenschutz" eingesehen werden.

Neue Regelungen zum Umgang mit Radon in Innenräumen.

Welche Vorgaben gibt es speziell für Arbeitsplätze? In der letzten Zeit wurde vor allem die Radon Belastung an Arbeitsplätzen stark thematisiert. Der Grund dafür ist, dass Arbeitnehmer viele Stunden an ihrem Arbeitsplatz verbringen und bei hohen Radon Belastungen der Räume, auch einer entsprechenden Gefahr ausgesetzt sind.

Berufstätige verbringen meist viel Zeit am Arbeitsplatz. Deswegen appelliere ich an alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, den Schutz vor Radon für ihre Beschäftigten genauso ernst zu nehmen wie den Schutz vor anderen Innenraumschadstoffen.

BfS-Präsidentin Inge Paulini

Neue Vorschriften bei Radon an Arbeitsplätzen ab Januar 2021

An Arbeitsplätze, die im Jahresmittel den Referenzwert von 300 Bq/³ übersteigen, muss eine Verringerung des Radon-Gehaltes durch geeignete Maßnahmen erfolgen.

Wer muss die Radon-Konzentration am Arbeitsplatz messen?

  • Wenn Arbeitsplätzen im Keller- und Erdgeschoss in einem Radon Vorsorgegebiet liegen.
  • Bei Arbeitsfeldern, die laut Strahlenschutzgesetz hohen Radon-Konzentrationen ausgesetzt sind. (Radon-Heilbäder, Heilstollen, Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung in Bergwerken, Besucherbergwerke, Schächte und Höhlen)
  • Wenn die zuständige Landesbehörde die Messung anordnet. (Nur möglich, wenn Anhaltspunkte für eine zu hohe Konzentration vorhanden sind)

Arbeitgeber*innen sind dazu verpflichtet innerhalb von 6 Monaten Radon Messungen durchzuführen, wenn sie sich in einem Vorsorgegebiet befinden. Sollte die Messung daraufhin ein erhöhtes Radon Vorkommen im Innenraum aufweisen, greift ein abgestuftes Verfahren um die Arbeitnehmer zu Schützen. Innerhalb von zwölf Monaten bedarf es der Umsetzung von Radon senkenden Maßnahmen. Lüften gilt als effiziente Methode zur Verringerung der Radonbelastung.

Klimasteuerung mit Radonsensor zur dezentralen Raumlüftung

Da Radon ein Gas, das sich im Keller sammeln kann. Daher ist die Lüftung ein effektiver und kostensparender Weg um die Konzentration zu minimieren. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt diese Maßnahme da sie einfach umsetzbar, effizient und kostengünstig ist. So kann die Gefahr durch die radioaktiven Zerfallsprodukte verringert werden bevor sie überhaupt besteht. Durch den Luftaustausch kann Radon aus dem betroffenen Gebäude hinaustransportiert werden. Außerdem kann durch die Lüftung der Kellerräume ein Überdruck erzeugt werden, der die Gefahr verringert, dass Radon aus dem Boden abgesaugt werden kann.

Durch Langzeitmessungen konnte nachgewiesen werden, dass Lüften einen essenziellen Beitrag dazu leistet die Radon-Konzentration im Gebäude zu reduzieren. Daher ist der Einsatz einer Lüftungssteuerung besonders zu empfehlen. Die Radonbelastung kann nutzerunabhängig überwacht und reduziert werden, indem der Lüftungszyklus automatisch gestartet wird. Die Grenzwerte der Radon-Lüftung können auch individuell eingestellt werden. So kann bei einer Grenzwertüberschreitung kontrolliert gelüftet werden. Radon-Belastete Keller in Bestandsimmobilien haben neben Radon manchmal auch ein Problem mit zu hoher Feuchtigkeit. Daher ist eine Überwachung der Radon Konzentration sowie der klimatischen Bedingungen sinnvoll. Neben der Radon-Lüftung kann die Raum-Entfeuchtung in Abhängigkeit der absoluten Feuchtigkeit von Vorteil sein.

KST-20 Vento/RN

KST-20 Vento/RN zum Entfeuchten, Lüften und Radon-LüftenRn-Protected-Logo

Technische Daten

  • Messbereich Feuchte: 0…100 % rF
  • Messbereich Temperatur: -40…+80 °C
  • Messbereich Radon: 0…1200 Bq/m³
  • Einstellbare Grenzwerte Radon: 80…100 Bq/m³

Funktionen

  • Frei einstellbare Radon-Grenzwerte
  • Kontrolliertes Lüften bei Überschreitung der Radon-Grenzwerte
  • Raumentfeuchtung in Abhängigkeit der absoluten Feuchte
  • Schutz vor Austrocknung des Raumes: Trockenschutz
  • Schutz vor Auskühlung des Raumes: Frostschutz
  • Zeitschaltuhr mit Aktiv- und Passivzeiten
Letzte Änderung amMittwoch, 27 Januar 2021 11:17